Agility, die trendige Hundesportart, bei der Zwei- und Vierbeiner gemeinsam einen Hindernis-Parcours absolvieren, steht dank der Gruendung des Schweizer Para - Agility - Clubs nun auch Menschen mit Handicap offen. Ursula K., Chefredakteurin der Schwiezer Zeitschrift "Hunde" hat ein Training in der Agility - Halle in Aarwangen besucht.

Die naechste Hinderniskombination lautet Sack - Sprung - Wand - Sprung. Achtet darauf, dass Ihr die Kommandos genuegend frueh zum Reagieren haben!" Uebungsleiterin Daniela Fuhrer deutet auf die einzelnen Hinternisse und fordert die Anwesenden zum "Briefing", der Parkoursbegehung ohne Hund, auf. Respektive: In diesem Fall ist es eher eine Parcours - Berollung, denn die drei Hundefuehrerinnen und zwei Hundefuehrer sitzen allesamt im Rollstuhl.

Die drei Golden redriever "Roxy", "Reagae" und "Edor", der Labrador "Vulcain" sowie der Hollaendische Schaeferhund "Anka" werden ins Platz kommentiert, und ihre Besitzer und Besitzerinnen fahren die Hindernis - Kombination mehrmals ab. Dann geht es los: Der zehnjaehrige Edor vergisst sein Alter und Prescht wie ein Wirbelwind durch den Sack. Reggae, der danach an der Reihe ist, laesst einen Sprung aus und passiert direkt die Wand - vermutlich weil eine Helferin bei der hinteren Kontaktzone einen Belohnungshappen bereit haelt -, und Hollaender Anka legt ein Tempo vor, bei dem ihr Besitzer zuenftig in die Raeder greifen muss.

Aber wenn ein Hund ab und zu neben dem Tunnel vorbeigeht oder eine Sprung - Stange zu Boden faellt: Uebunsgleiterin Daniela Fuhrer spart nicht mit Lob fuer ihre Schuetzlinge: "Bis auf Hollaender Anka sind es alles Hunde ohne Agility - Erfahrung. Unter diesem Aspekt gesehen ist es unglaublich, wie problemlos und sicher sie die Hindernisse meistern." Fuhrer erklaert sich dies nicht zuletzt mit der tiefen Bindung zwischen Mensch und Hund: Die vier Redriever sind allesamt ausgebildete Behindertenhilfshunde der Organisation " Lecopain" und ihren Besitzern im Alltag eine unschaetzbare Hilfe.

Dank Roxy braucht Beispielsweise Regina Weiss keinen Pflegedienst mehr. Doch: besteht keine Gefahr, dass Roxy die neuen Agility - Komandos mit denjenigen des Alltags verwechselt? regina Weiss schuettelt den Kopf: "Das glaube ich nicht. Einige Kommandos - wie "retour" oder "coucher" - kann ich auch hier brauchen. Die neuen Agility - spezifischen Komandos gebe ich auf deutsch. Fuer den Alltag werden die "Lecopain - Hunde" ja franzoesische Befehle beigebracht."

Die Sache mit den Kommandos waere also geklaert. Doch so einfach, wie es aussieht, ist das Ganze eben trotzdem nicht: "Gleichzeitig den Rollstuhl bewegen, dem Hund die Kommandos geben, Dabei nicht ausser Atem geraten und erst noch die Abfolge der Hindernisse im Kopf haben - das fordert mich also schon". sagt regina Weiss, lacht und fuegt hinzu: "Aber es macht enormen Spass!" Dem pflichten die vier anderen ausnahmslos bei. "Ich bin ueberrascht, wie schnell Reaggae begreift, was ich von ihm will", sagt Dominik B., der sichtlich stolz ist auf seinen Hund.

Nach einer kurzen Pause, in der die Hunde miteinander spielen duerfen, geht es weiter mit den naechsten Hindernis - Kombinationen. Das Ziel des Tages ist, zum Schluss einen vollstaendigen Parcours von rund 15 - 20 Hindernissen am Stueck absolvieren zu koennen. "Vom Ablauf her laeuft das Training gleich ab wie mit Personen ohne Handicap", erklaert Daniela Fuhrer. Der Unterschied bestehe hauptsaechlich darin, dass die Hindernisse weniger eng gestellt seien, damit die Hundefuehrer ihren Rollstuhl problemlos daran vorbeimanoevrieren koennen. Und: "Die Hunde werden hauptsaechlich mit der Stimme und weniger mit Sichtzeichen gefuehrt, da die Hundefuehrerinnen und -fuehrer ihre Haende fuer das lenken des Rollstuhles gebrauchen." Tomi Schneider, leiter der Hundeschule Ramsei und Initiator des Para - Agility - Clubs, ist beim Training ebenfalls abwesend und schwingt eigenhaendig den Kochloeffel fuer das Mittagessen. "2004 habe ich per Zufall von einem Para - Agility - Weltcup in Oesterreich erfahren. Wir sind zum Turnier gefahren - und waren begeistert" " erzaehlt er. Daraus sei die Idee entstanden, Para - Agility auch in der Schweiz bekannt zu machen. Im Jahr 2005 fand erstmals ein Probetraining statt; kurz darauf wurde der Verein gegruendet. "Unser Ziel waere, dass es in der ganzen Scheiz regionale Trainingsgruppen gibt und dann jeweils die Uebungsleiter diese Gruppen besuchen gehen - damit der vielfach umstaendliche Transport fuer die Hundefuehrer wegfaellt", erklaert Schneider.

Entnommen der Zeitschrift Partnerhund Nr 7/Juli 2006 www.partner-hund.de

Was ist Para - Agility?

Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!